Sechs Monate Praxis – mein Praktikum zwischen Streife, Kripo und Hospitation

(19.03.2026) Sechs Monate Praktikum liegen hinter mir und rückblickend fühlt es sich fast surreal an, wie viel in dieser Zeit passiert ist. Vom ersten Streifendienst im Sommer bis zur letzten Hospitation im Dezember habe ich Einblicke bekommen, die man weder im Hörsaal noch aus Lehrbüchern gewinnen kann. 

Während unseres Studiums an der Hochschule absolvieren wir ein sechsmonatiges Praktikum, das sich in drei Monate Wach- und Wechseldienst sowie drei Monate Kriminalpolizei gliedert. Zusätzlich besteht freiwillig die Möglichkeit, am Ende des Praktikums eine zweiwöchige Hospitation zu absolvieren. Eine Möglichkeit, die ich gerne genutzt habe.

Mein Praktikum habe ich in Bernau absolviert. Durch etwas Glück startete ich mit dem Wach- und Wechseldienst im Sommer und wechselte im Winter zur Kriminalpolizei. 

Wach- und Wechseldienst: Angekommen im echten Dienstalltag

Der Einstieg in den Wach- und Wechseldienst war mit viel Aufregung verbunden. Man wird ziemlich direkt ins kalte Wasser geworfen, aber genau das macht es auch so lehrreich. Vor allem in rechtlicher Hinsicht habe ich schnell gemerkt, wie gut wir durch das Studium vorbereitet sind. Natürlich kann man praktische Abläufe nicht vollständig im Hörsaal lernen, aber vieles ergibt sich schnell im Dienstalltag.

Während meines Praktikums wurde ich von zwei erfahrenen Beamten begleitet, die mir über die gesamte Zeit hinweg als Ansprechpartner zur Seite standen. 

Besonders spannend fand ich ein Thema, mit dem ich vorher kaum Berührungspunkte hatte. Einer meiner Betreuer war in diesem Bereich speziell geschult worden und hat mir einen ganz neuen Blick auf dieses Themenfeld eröffnet: das Thema Fahrtüchtigkeit – und dabei geht es längst nicht nur um Alkohol oder Drogen, wie ich zu Beginn gedacht habe. Solche Einblicke zeigen einem, wie vielfältig die Polizei eigentlich ist und wie viele Entwicklungsmöglichkeiten es gibt, an die man vorher gar nicht gedacht hätte.

Der Dienstalltag im Wach- und Wechseldienst war extrem abwechslungsreich. Kein Tag war wie der andere. Von Ruhestörungen über häusliche Gewalt, Körperverletzungsdelikte, Durchsetzung von Haftbefehlen, reichlich Verkehrsunfälle bis hin zu nächtlichen Verkehrskontrollen mit dem Fokus auf Fahrtüchtigkeit. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir mehrere Einbruchsdiebstähle, unter anderem in Tankstellen und Spielhallen. Die Anfahrten zu solchen Einsätzen waren jedes Mal extrem adrenalinhaltig. Man weiß nicht, was einen vor Ort erwartet. Ist der Täter noch vor Ort, sind es vielleicht mehrere oder sind sie sogar bewaffnet. Genau diese Unsicherheit lässt den Puls steigen. Trotz dieser Anspannung machten mir solche Einsatzfahrten immer besonders Spaß.

Eine Situation, die mich besonders geprägt hat, war ein Verkehrsunfall mit einem tödlich verletzten Fahrradfahrer, bei dem wir vor Ort über eine Stunde hinweg vergeblich versucht haben, ihn zu reanimieren. Meine erste Begegnung mit einer verstorbenen Person im Dienst. Umso beeindruckender war der Umgang der Kolleginnen und Kollegen damit. Ich wurde mehrfach gefragt, ob es mir gut geht und ob ich Unterstützung brauche. Diese gegenseitige Fürsorge hat mir gezeigt, wie wichtig Zusammenhalt in diesem Beruf ist.

Kriminalpolizei: Dort arbeiten, wo der Streifendienst aufhört

Nach den drei Monaten auf der Straße wechselte ich zur Kriminalpolizei in Bernau. Dort war ich im Sachgebiet „Leben und Gesundheit“ eingesetzt und habe überwiegend Jugendkriminalität bearbeitet, teilweise sogar von mir selbst im Streifendienst aufgenommene Anzeigen. Ich hatte großes Glück mit meiner Betreuerin und dem gesamten Team.

Besonders spannend fand ich die Vernehmungen von jugendlichen Beschuldigten und Zeugen. Gerade bei Jugendlichen merkt man, dass Worte noch etwas bewirken können. Viele befinden sich in einer Phase des Ausprobierens und zeigen im Gespräch echte Einsicht. Im Vergleich zu Erwachsenen ist hier mit einem Gespräch oft noch viel zu erreichen.

Die Arbeit bei der Kripo ist jedoch auch stark von Bürokratie geprägt. Gerade in den Wintermonaten war das durchaus angenehm, auf Dauer wäre mir die Arbeit im Büro jedoch vermutlich zu wenig bewegungsintensiv. Mein Respekt vor den Kolleginnen und Kollegen ist enorm. Insbesondere angesichts der stetig wachsenden Anzahl an Anzeigen, unter anderem durch die Online-Wache, ist immer reichlich zu tun. 

Gleichzeitig habe ich enorm viel für meine zukünftige Arbeit mitgenommen. Erst bei der Kripo wird einem wirklich bewusst, was aus einer Anzeige wird, die man draußen aufnimmt. Ich habe gelernt, worauf es ankommt und was man im Wach- und Wechseldienst vielleicht hätte besser oder ausführlicher dokumentieren können. Eine Erfahrung, die mir später auf der Straße definitiv zugutekommen wird.

Zweiwöchige Hospitation: Einblicke, die nicht jeder bekommt

Zum Abschluss meines Praktikums habe ich die freiwillige Hospitation genutzt. Zunächst war ich eine Woche bei der Mordkommission im Landeskriminalamt in Eberswalde, die sich dort mit sogenannten Altfällen beschäftigt. Über konkrete Inhalte kann ich natürlich nicht viel berichten, aber der Einblick in die technische Herangehensweise und die Fallanalysen war unglaublich spannend. Im zweiten Block meiner Hospitation war ich beim Staatsschutz eingesetzt. Hier konnte ich unter anderem an einer Wohnungsdurchsuchung gemeinsam mit der Bereitschaftspolizei teilnehmen. 

Zusätzlich hatte ich die Möglichkeit, weitere Bereiche des Landeskriminalamtes kennenzulernen und diese Eindrücke auch medial festhalten zu können. Ich habe dort einen kurzen Vlog gedreht, der zumindest ein paar meiner Eindrücke widerspiegelt. 

                                                                 

 

Mit vielen Eindrücken zurück zur Theorie

Insgesamt war das Praktikum für mich extrem lehrreich, herausfordernd und persönlichkeitsprägend. Ich habe fachlich unglaublich viel gelernt, aber auch menschlich sehr von dieser Zeit profitiert.

Jetzt bin ich wieder zurück an der Hochschule. Vielen fällt der Wiedereinstieg in die Theorie nach dem Praktikum schwer und das kann ich absolut nachvollziehen. Gleichzeitig freue ich mich aber auch auf die verbleibende Zeit: meinen Kurs wiederzusehen, das Studium abzuschließen und die letzten Inhalte mitzunehmen. Uns fehlen noch ein paar wichtige Themen wie Waffenrecht und Versammlungsrecht, dazu kommen die Bachelorarbeit, Wahlpflicht- und Vertiefungsmodule sowie einige Prüfungen.

Im Herbst endet dann das Studium und für mich geht es erstmal ganz klar zurück auf die Straße. Darauf freue ich mich sehr. Aber genauso weiß ich die Zeit an der Hochschule jetzt noch einmal besonders zu schätzen.

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