Nele bloggt - Campus Streife

Campus Streife

Nele bloggt

 

Mein Name ist Nele und ich bin derzeit Polizeikommissaranwärterin an der Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg. Da ich mit meinen 19 Jahren eher zu den jüngeren Studierenden meines Jahrgangs gehöre, gibt es über die Zeit vor meinem Studium berufstechnisch nicht viel zu berichten. In meiner Freizeit besuche ich regelmäßig die Spiele der Eisbären Berlin. Mit den Jahren sind meine Familie und ich große Eishockeyfans geworden. Außerdem begeisterte ich mich viele Jahre lang für Kampfsport, vorrangig Ju-jutsu.

Es ist gar nicht so unüblich, dass jemand, der mit Selbstverteidigung aufwächst, später zur Polizei möchte, und so hat es auch mich getroffen. Ich wohne schon mein ganzes Leben in Brandenburg, deshalb war für mich klar, dass es die Polizei Brandenburg werden soll.

Mein Weg zur Polizei

Ich erhielt im Juni 2023 mein Abitur und bewarb mich direkt bei der Polizei Brandenburg und in Berlin – letzteres, falls Brandenburg nicht klappt. Als ich die Zusage für ein Studium an der Polizeihochschule erhielt, brach große Freude in mir aus. Nun studiere ich seit Herbst 2023 hier.

Eine Zeit lang dachte ich darüber nach, Lehramt zu studieren. Letztendlich überwogen aber die Gründe, für den Polizeiberuf und vor allem der Fakt, dass dieser Beruf so vielfältig ist, dass auch bei der Polizei später die Möglichkeit besteht selbst zu unterrichten. Ich kann jetzt noch nicht genau sagen, in welchem Bereich ich in Zukunft arbeiten möchte, aber wenn ich etwas Erfahrung auf der Straße gesammelt habe, wäre das Unterrichten an der Hochschule definitiv eine Option, die ich mir gut vorstellen könnte.

Wenn ich mit Freundinnen und Freunden aus meiner alten Schulzeit rede, schätze ich an meinem Studium besonders die Vielfältigkeit im Gegensatz zu vielen anderen Studiengängen. Ich bin erst seit einem dreiviertel Jahr Anwärterin an der Polizeihochschule und kann trotzdem schon vorweisen, in dieser kurzen Zeit den Rettungsschwimmer und eine Dienstfahrberechtigung abgelegt sowie das erste Mal mit einer Pistole geschossen zu haben. Außerdem habe ich eine viel bessere Ausdauer entwickelt (nicht nur beim Laufen, auch im Alltag). Uns wurden viele Selbstverteidigungstechniken und erste Grundlagen in den Rechtsgebieten beigebracht, in denen sich ein Polizeibeamter oder eine -beamtin auskennen muss.

Freut Euch auf mehr Infos aus meinem Campusalltag

Ich freue mich darauf mein Studium im Jahr 2026 abzuschließen und nun auch schriftlich zu begleiten. Ich werde ab sofort, wenn etwas Neues und Interessantes in meinem Alltag auf dem Campus passiert, davon berichten. Wenn ich mich an die Zeit nach meinem Abitur zurückerinnere, hätte ich mich selbst sehr über mehr Infos und Transparenz zum Polizeistudium gefreut. Das versuche ich hiermit zu ändern.

 

Der 3000 Meter-Lauf - meine bisher größte Herausforderung

(16.08.2024) Ich habe mein Leben lang in meiner Freizeit Sport getrieben. Meine Eltern schickten mich bereits als 5-jährige zum Ju-Jutsu. Später besuchte ich nebenbei gelegentlich ein Fitnessstudio zum Kraftsport. Das sind aber beides leider keine Sportarten, in denen sich eine gute Ausdauer entwickelt. Im ET-Unterricht (Eingriffstechniken) habe ich dank meiner Erfahrungen im Kampfsport keinerlei Probleme, aber im Konditionsunterricht hatte ich anfangs Schwierigkeiten.

Bei meinem Auswahlverfahren im Juli 2023 bestand ich den Cooper-Test – knapp. In unserer zweiten Woche auf dem Campus absolvierten alle aus meinem Jahrgang erstmals den 3000 Meter-Lauf, um festzustellen, ob und woran wir arbeiten sollten. Meine Zeit betrug trotz großer Anstrengung 19:02 min. Die zu erreichende Zeit für Frauen in meinem Alter (unter 20 Jahre) beträgt 16:50 min. Ich und auch viele weitere aus meinem Kurs haben die Zeit leider nicht geschafft. Obwohl ich wusste, dass die angesetzte Zeit für mich sehr anspruchsvoll sein wird, war ich nach dem Lauf sehr enttäuscht über mein Ergebnis. Ich machte mir Sorgen, ob ich die Zeit überhaupt schaffen kann.

 

Laufen, laufen, laufen… Übung macht den Meister
Zu Beginn des Studiums sind wir im wöchentlichen Konditionsunterricht außerhalb des Campus‘ am Kanal und um den Lehnitzsee joggen gegangen, um erst einmal alle möglichen Laufstrecken kennenzulernen. Mit dem kälteren Wetter im Dezember und dem bevorstehenden Hindernislauf haben wir vermehrt in der Halle trainiert. Dieses Training verlangte mir zwar auch viel Ausdauer ab, aber vor allem Schnelligkeit und Geschicklichkeit. Zusätzlich kam der Schwimmunterricht dazu, der meine Ausdauer durch das Training für den 300 Meter-Schwimmtest weiter forderte.

Als der Frühling begann, nahm das richtige Konditionstraining wieder seinen vollen Lauf. Zu Beginn waren es zehnmal 400 Meter-Intervalle. Mit der Zeit wurden diese immer länger. Zuletzt sind wir zweimal 2000 Meter gerannt. Unsere Konditionstrainer geben uns vor jedem Intervall die zu erreichende Zeit vor, an der wir uns orientieren. Das Intervalltraining ist, vor allem im Sommer, extrem anstrengend und jeder Anwärter und jede Anwärterin kommt hier an seine und ihre Grenzen. Im Nachhinein bin ich aber immer stolz auf mich und meinen Kurs. Ich gehe zusätzlich mehrmals die Woche privat laufen, da ich anfangs eben in der Ausdauer meine Schwäche gesehen habe.

Einer unserer Konditionstrainer hat mir einen individuell an mich angepassten Laufplan erstellt. Diesen befolge ich jetzt schon seit drei Monaten und ich merke bei jedem Intervalltraining anhand meiner Zeiten, wie stark ich mich seit Studienbeginn verbessert habe. Das Laufen fällt mir immer leichter. Manchmal gehe ich sogar gerne nachmittags noch ein paar Runden mit meinen Kommilitonen um den Sportplatz rennen.

Der Tag der Prüfung – Mit Anfeuern durchs Ziel

Im Juli stand nun die 3000 Meter-Laufprüfung an. Schon am frühen Morgen herrschte eine aufgeregte Stimmung bei uns in der Umkleide. Die Wetterbedingungen waren nahezu ideal. Wir machten uns selbstständig warm und gegen 10 Uhr fiel pünktlich der Startschuss. Ehrlich gesagt, stelle ich mir immer ab der Hälfte der Strecke die Frage, warum ich mir das eigentlich antue. Letztendlich werde ich aber immer von meinem Kurs irgendwie mitgezogen. Zudem ist es als Polizist und Polizistin nun einmal wichtig eine gute Ausdauer vorzuweisen. In der letzten Runde feuerten uns die Jungs noch einmal ordentlich an. Diese haben etwas weniger Zeit für die 3000 Meter und waren dementsprechend schon fertig. Wir unterstützen uns alle gegenseitig. Angekommen an der Ziellinie rief mir mein Trainer eine Zeit von 15:40 zu. Die Vorstellung, dass ich mein früheres Ich (aus Herbst 2023) jetzt locker überrundet hätte, freut mich innerlich immer noch. Fast alle erreichten ihre Bestzeit.

Im sechsten Semester wird der 3000 Meter-Lauf erneut abgenommen. Meine starke Verbesserung motiviert mich sehr am Ausdauersport dran zu bleiben. Vielleicht kann ich in zwei Jahren meine neue persönliche Bestzeit aufstellen.

Nicht-Schießen – Schießen. Neles erster Schuss mit scharfer Waffe

Bereits zu Beginn des ersten Semesters starteten wir die Ausbildung an der Dienstwaffe. Das Fach wird bei uns als „Nichtschießen – Schießen“ bezeichnet. Der Unterricht nimmt meist einen ganzen Vor- oder Nachmittag ein. In den ersten Stunden lernten wir die wichtigsten Verhaltensregeln in der Raumschießanlage, den Aufbau und die Wirkungsweise der Waffe. Dazu zerlegten wir diese mehrmals und bauten sie dann wieder zusammen. In der ersten Unterrichtseinheit begann auch schon das „Rotwaffen-Training“. Wir trainieren mit echten Pistolen, die aber schussunfähig gemacht wurden. Optisch unterscheiden sich diese lediglich in ihrer Farbe. In der Regel beginnt jede Unterrichtsstunde mit diesem „Trockentraining“. Wir lernten, wie eine Pistole geladen und entladen bzw. wie „Sicherheit hergestellt“ wird. Letzteres ist bei der Ausbildung mit der Dienstwaffe das oberste Gebot.

Als diese Prozesse einigermaßen sicher in unseren Köpfen verankert waren, stand auch schon, nachdem ich circa einen Monat die Hochschule der Polizei Brandenburg besuchte, der erste scharfe Schuss vor der Tür. Ich persönlich war an dem Tag relativ entspannt und machte mir keine Sorgen. Kurz bevor ich eine echte Waffe in die Hand bekam, wurden die Hände dann aber doch etwas schwitzig. Wir schossen immer zu zweit in einer Anlage. Ich erschreckte mich sehr von den Schüssen meiner Partnerin. Der Knall war trotz Gehörschutz lauter als gedacht. Außerdem war der Rückstoß überraschend stark. Da merkte ich erstmals, was für Kräfte da wirken. Nach dem ersten Schuss war ich sehr erleichtert. Die restlichen vier machten sogar Spaß. Trotz dessen war ich nach dem Verlassen der Schießbahn froh, dass die Pistole wieder ungeladen in meinem Holster verschwunden war.

 

In den späteren Stunden übten wir einen Magazinwechsel und lernten, wie man Störungen bei der Schussabgabe beseitigen kann. Als auch das bei jedem saß, kam eine Deckung dazu. Wir übten das Schießen hinter der Deckung im Stehen, liegend und sitzend. Mir persönlich fällt das Schießen hinter einer Deckung sogar leichter als das freie Schießen, da dort die Möglichkeit besteht meine Hand an die Deckung leicht anzulehnen. Als Folge ist meine Haltung ruhiger.

Das letzte neue Thema vor unserer Kontrollübung war der „grob visierte Schuss“. Das bedeutet Zeitdruck. Hier bestand dann nicht mehr die Möglichkeit lange zu zielen und irgendwann abzudrücken. Stattdessen kommt ein Signal und es heißt nur noch: so schnell wie möglich die Waffe ziehen, in die richtige Position bringen und schießen. So, wie es in der Realität wahrscheinlich eher der Fall sein könnte.

Jeder Anwärter und jede Anwärterin legt im Laufe des zweiten Semesters einen Schießleistungsnachweis ab. In dieser Kontrollübung werden alle Elemente, die wir gelernt haben, kombiniert. Zusätzlich müssen wir eine gute Mitte finden zwischen einer sicheren Trefferquote und Schnelligkeit. Bei nicht bestandener Prüfung besteht die Möglichkeit, diese innerhalb von einem Jahr zu wiederholen, denn wir benötigen vor unserem Praktikum in den Polizeiinspektionen eine Trageberechtigung. Im anstehenden

dritten Semester dürfen wir mit der MP (Maschinenpistole) schießen. Ich habe von älteren Jahrgängen gehört, dass die Trefferquote deutlich besser sein soll. Ich bin gespannt auf den ersten Schuss. Jetzt darf ich aber erstmal die einzelnen Bauteile auswendig lernen.

 

Verkehrslehre: Verkehrskontrollen und Unfallaufnahme

Da das Studium in Module eingeteilt ist, gibt es Fächer, die gebündelt unterrichtet werden. So wie Verkehrsrecht und Verkehrslehre, die nur zu Modul 3 gehören und bereits im zweiten Semester mit einer Prüfung abgeschlossen werden. Deshalb habe ich, obwohl ich jetzt erst in das dritte Semester komme, den Verkehrslehreunterricht schon hinter mir. Ich finde das sehr schade, da das eines meiner liebsten Fächer war. Der Vorteil ist jedoch, dass ich euch darüber jetzt vollständig berichten kann.

Der Verkehrslehreunterricht unterteilt sich in zwei Bereiche: Verkehrsüberwachung und Unfallaufnahme. Morgens trafen wir uns immer mit den jeweiligen Dozenten zunächst in unserem Verkehrslehrekabinett und wurden begrüßt. Dort erhielten wir die Tagesplanung und wurden in Gruppen eingeteilt, meist bestehend aus fünf bis sechs Studierenden. Im Bereich der Verkehrsüberwachung führten wir viele Verkehrskontrollen in unserem Verkehrsgarten durch – so heißt das Übungsgelände auf dem Campus. Wir lernten, wie wir Fahrzeuge am ungefährlichsten anhalten und wie Ordnungswidrigkeiten und Straftaten geahndet werden. Am Ende einer Übung gaben die Dozenten und Lehrbeauftragten einem immer die Möglichkeit, das eigene Verhalten zu reflektieren und mögliche Fehler selbst zu erkennen und anzusprechen, bevor es andere tun.

 

 

Parallel zu den Praxistagen lief der Theorieunterricht. Inhalte waren beispielsweise die Anwendung des Atemalkoholtesters und unseres Lasermessgerätes, die Erkennung von Drogen im Straßenverkehr, Verkehrsregelungen und Überwachung von Verkehrsmitteln. Diese Inhalte wurden in den Übungen nochmals gefestigt und praktisch umgesetzt. Die praktischen Unterrichtsstunden zur Verkehrsunfallaufnahme liefen ähnlich ab. Wir selbst schlüpfen übrigens während der Übungen in die Rolle des Polizisten, aber spielen auch das polizeiliche Gegenüber. Hierbei merkte ich direkt, wie ich selbst am liebsten von Polizeibeamten und -beamtinnen behandelt werden möchte, und setzte das dann bestmöglich um. Die Übungen machten mir viel Spaß und wir lachten gemeinsam viel, außerdem lernte ich in diesem Fach viel über den Polizeiberuf.

Auch der Verkehrslehreunterricht wird am Ende mit einer Prüfung abgeschlossen. Früher bestand diese aus einer Verkehrsunfallaufnahme. Mein Jahrgang war jedoch der erste, in dem auch im Praktischen Teil jedes Szenario auf einen zukommen konnte: Von einer verdachtsunabhängigen Verkehrskontrolle und Geschwindigkeitskontrollen mit dem Lasermessgerät bis zum Wildunfall samt Vermessung der Unfallstelle. Wir bestritten den praktischen Teil der Prüfung zu zweit, als Streifenpartner. Das Prüfungsamt teilte die Teams ein und gab diese zwei Wochen vor der Prüfung bekannt. Wir hatten die Möglichkeit auch in unserer Freizeit für die Prüfung praktisch zu üben. Dazu stellt uns unsere Lehrmittelstelle die notwendigen Führungs- und Einsatzmittel, wie einen Funkstreifenwagen samt Inhalt, Funkgeräte, den Atemalkoholtester und das Lasermessgerät, zur Verfügung.

 

Vor schriftlichen Prüfungen bin Ich immer die Ruhe in Person, aber ich merkte vor der Modulprüfung, dass ich das vor praktischen Prüfungen leider nicht von mir behaupten kann. Mein Streifenpartner und ich waren an dem Morgen sehr nervös. Als es dann losging, sank bei mir die Aufregung während der durchzuführenden Verkehrskontrolle, immer weiter ab. Danach folgte noch ein etwas kürzerer, mündlicher Teil, in dem Fragen zu allen behandelten Themen gestellt wurden. Die Auswertung mit der entsprechenden Note folgte direkt im Anschluss. Rückblickend bin ich, trotz eines ärgerlichen Fehlers, sehr zufrieden mit meiner Leistung.Wir wurden mit den Worten „das nächste Mal macht ihr das im Praktikum“ aus dem Verkehrslehreunterricht entlassen, und ich muss sagen, ich freue mich schon sehr darauf.

 

Ein Tag an meiner alten Schule – eine neue Perspektive

Die meisten kennen unsere Hochschule wahrscheinlich davon, dass wir hier die Polizei von morgen ausbilden. Es gibt aber auch einen Bereich, der sich ausschließlich darum kümmert, Schülerinnen und Schüler für den Job zu begeistern und zu einer Bewerbung zu motivieren. Und wie werben die Kolleginnen und Kollegen vom Werbe- und Auswahldienst? Sie gehen dorthin, wo die jungen Menschen sind – beispielsweise bei Stadtfesten, Karrieretagen oder Berufsmessen. Zwei Mal im Jahr organisieren sie aber auch Schnuppertage auf unserem Campus, um uns beim Studium und der Ausbildung einen Tag lang zu begleiten.

Wir Studierenden bekommen quartalweise E-Mails mit Terminen für diese Werbeveranstaltungen zur Unterstützung des Teams. Bei Interesse können wir uns melden. Ich schaute mir die Termine an und sah, dass eine Ausbildungs- und Studienbörse in meinem ehemaligen Gymnasium stattfinden sollte, an dem ich die Oberstufe besuchte. Ich bekam direkt Lust, daran teilzunehmen und meldete mich an.

Ungewohntes Terrain

Am Tag der Veranstaltung bauten wir 30 Minuten vor Eröffnung unseren Stand auf. Da der Stand der Polizei Brandenburg in den letzten Jahren sehr beliebt war, bekamen wir sogar ein extra Klassenzimmer. Die Börse begann um 10 Uhr mit einer Begrüßung durch den Schulleiter. Schon da merkte ich: Es ist ein ungewohntes Gefühl außerhalb des Campus´ Uniform zu tragen. Das Gefühl kannte ich vorher nur von unserer Dienstfahrberechtigung und von unserem Ausflug in die Gedenkstätte Sachsenhausen. Denn die Uniform dürfen wir erst nach dem Abschluss auch außerhalb der Dienststelle – der Hochschule – tragen. Ich denke aber, meine ehemaligen Lehrer fanden mich in Uniform noch etwas überraschender als ich selbst. Sie freuten sich sehr für mich und äußerten Sätze wie: „Da wurde ein Traum wahr“. Ich hatte während meiner Schulzeit schon immer erzählt, dass ich später zur Polizei möchte.

Mir ist aufgefallen, dass viele Menschen nicht wissen, was die unterschiedlichen Schulterstücke an unserer Uniform bedeuten. Während meines Studiums trage ich einen silbernen Streifen auf der Schulter. Viele dachten, ich wäre trotz meines Streifens fertige Kommissarin. Da wurde mir klar: im Praktikum werden Bürgerinnen und Bürger vermutlich auch nicht zwischen Anwärterin und ausgebildeter Polizistin unterscheiden können.

 

Ab jetzt gerne öfter dabei

Vor zwei Jahren war ich noch eine Schülerin, die ihre Freunde überredete mit zum Stand der Polizei zu kommen. Heute stand ich auf der anderen Seite. Ich beantwortete Fragen zum Studium, gab Hinweise zum Auswahlverfahren, zeigte den Schülerinnen und Schülern meine Einsatzmittel und verteilte Flyer. Unser Stand war auch dieses Jahr gut besucht. Es bereitete mir viel Freude, Fragen über das Studium zu beantworten. Ich führte persönliche Gespräche mit Schülerinnen und Schülern der siebten Klasse bis hin zu 35-jährigen Eltern. Nächstes Jahr möchte ich wieder mit dabei sein.

 

 

Nele steht Kopf – Fahrsicherheitstraining

Im Rahmen unseres Studiums mussten wir nicht nur eine Dienstfahrberechtigung erlangen, sondern auch ein umfangreiches Fahrsicherheitstraining absolvieren. Während bei der Dienstfahrberechtigung der Fokus auf dem richtigen Verhalten im alltäglichen Straßenverkehr lag, dreht sich das Fahrsicherheitstraining vor allem um die Kontrolle des Fahrzeugs in gefährlichen und brenzligen Situationen. Es ist eine essenzielle Vorbereitung auf Fahrten mit Sonder- und Wegerechten, wie sie im Polizeijargon genannt werden, also solche mit Sirene und Blaulicht.

Vier Tage voller Praxis und Theorie

Das Fahrsicherheitstraining fand über vier volle Tage statt. Am ersten Morgen wurden wir von den Trainern begrüßt, und es hieß, einen Streifenpartner oder eine Streifenpartnerin zu finden, mit der oder dem wir uns für die kommenden Tage ein Auto teilen würden. Vertrauen aufbauen war hier das Stichwort, denn innerhalb dieser kurzen Zeit musste man sich aufeinander verlassen können. Zusätzlich wurden wir in drei Gruppen aufgeteilt, jede mit vier Fahrzeugen und zwei festen Trainern, die uns die ganze Zeit begleiteten. Als Trainingsfahrzeuge standen uns alte Polizeizivil- und Streifenwagen zur Verfügung.

Der erste Tag begann mit etwas Theorie. Zunächst wurde der richtige Sitz im Fahrzeug erklärt, ebenso wie die Bedeutung der Ladungssicherung. Der Fokus lag jedoch vor allem auf den Themen Bereifung und die Kräfte, die beim Fahren auf das Fahrzeug wirken. Diese Grundlagen waren entscheidend, um die kommenden praktischen Übungen nicht nur aus fahrtechnischer, sondern auch aus physikalischer Sicht richtig zu verstehen.

 

Praktische Übungen für die richtige Fahrzeugkontrolle

Ab dem Nachmittag des ersten Tages ging es in die Praxis. Dabei stand die Beherrschung des Fahrzeugs in kritischen Situationen im Vordergrund. Zu den ersten Übungen gehörten statische Dinge wie Längseinparken, Wenden und das Fahren in engen Gassen. Besonders interessant war ein Rückwärtsparcours, der anfangs schwieriger wirkte, als er letztlich war. Auch wenn es hieß, wir könnten ruhig mal „anrempeln“, war es als Vorbereitung für den Abschlussparcours besser, die markierten Kegel nicht umzuwerfen.

Der Fokus lag jedoch klar auf der Gefahrenbremsung. Hierbei bremsten wir mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und auf verschiedenen Untergründen – von normalem Asphalt über Kopfsteinpflaster bis hin zu einer künstlichen Schneedecke. Ein besonders herausfordernder Teil war das Bremsen auf einem Untergrund, der uns Hindernisse in den Weg stellte, denen wir während des Bremsvorgangs ausweichen mussten. Dabei erfuhren wir, wie sich die Fahrzeuge in verschiedenen Situationen verhielten. In einer Übung durften wir die Hände vom Lenkrad nehmen und einfach „sehen, was passiert“. So merkten wir, wie das ABS des Fahrzeugs arbeitet.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt war das Fahren in Kurven. Hier lernten wir, dass es besser ist, in eine Kurve möglichst weit außen einzufahren fahren, um dann am Scheitelpunkt nach innen zu lenken und anschließend wieder außen auszufahren. Zuvor hatte ich oft das Gefühl, lieber innen zu bleiben, weil das sicherer wirkte. Heute weiß ich, dass die richtige Linie nicht nur schneller, sondern auch sicherer ist.

Da das Fahrsicherheitstraining in einem eher regnerischen Wetter stattfand, war dies ein perfektes Übungsszenario, um uns auf schwierige Witterungsbedingungen vorzubereiten. Besonders prägend war dabei die „ewige Kreisbahn“, eine benässte Fahrbahn, die uns helfen sollte, das Untersteuern des Fahrzeugs zu erleben und zu lernen, wie wir darauf reagieren. Zwar fühlte es sich in dem Moment merkwürdig an, aber wir erfuhren, dass es die beste Lösung ist, in solch einer Situation zurück zu lenken, um das Fahrzeug wieder in den Griff zu bekommen.

Überschlagsimulator und Verfolgungsjagd

Neben den fahrtechnischen Übungen war auch der Überschlagsimulator ein wichtiger Bestandteil des Trainings. Hier simulierten wir den Ernstfall und lernten, wie wir uns selbst und andere bewusstlose Personen aus einem umgekippten Fahrzeug befreien können.

Eine der spaßigeren, aber dennoch lehrreichen Übungen war der kreisförmige Parcours, der eine Verfolgungsjagd simulierte. Dabei fuhren wir mit jeweils zwei Fahrzeugen im Kreis und versuchten, uns gegenseitig einzuholen, ohne dabei einen Kegel umzufahren. Eine Kegelberührung galt als „Unfall“, was uns alle motivierte, besonders präzise und umsichtig zu fahren.

Die Trainer begleiteten uns während des gesamten Trainings per Funkgerät, wodurch wir sofort Feedback zu unserem Fahrverhalten bekamen, ohne nach jeder Übung aus dem Fahrzeug steigen zu müssen. Selbst bei höheren Geschwindigkeiten konnten sie durch das Fenster unsere Lenkradhaltung und das Bremsverhalten genau beobachten und uns daraufhin wertvolle Hinweise zur Verbesserung geben.

Der Abschluss: Prüfungsparcours

Am letzten Tag des Trainings stand ein Abschlussparcours an, der alle erlernten Elemente vereinte. Er bestand aus verschiedenen Stationen, bei denen wir unser Wissen und Können unter Beweis stellen mussten. Dieses Mal waren wir alleine unterwegs, ohne einen Beifahrer, was den Druck erhöhte. Die Aufgabe war klar: schnell, aber sicher fahren – und keine Kegel umfahren. Besonders gefreut hat mich, wie die Frauen aus meinem Kurs, selbst beim Einparken, kaum einen Fehler machten und somit den Parcours nahezu fehlerfrei absolvierten.

 

Fazit: Was der Reifen ausmacht

Eines der Dinge, die mir im Training besonders auffielen, war der Unterschied, den die Reifen auf das Fahrverhalten ausmachten. Ein Streifenteam aus meiner Gruppe hatte relativ abgefahrene Sommerreifen, während wir Allwetterreifen fuhren. Besonders beim Kurvenfahren und beim Bremsen mit gleichzeitigem Ausweichen sowie bei der Länge des Bremsweges war der Unterschied deutlich spürbar. Ein guter Reifen kann in einer brenzligen Situation entscheidend sein!

Insgesamt war das Fahrsicherheitstraining eine intensive und äußerst lehrreiche Erfahrung. Es hat mir nicht nur geholfen, mein Fahrverhalten zu verbessern, sondern auch das Vertrauen in das Fahrzeug und meine Fähigkeiten gestärkt. Mit dem Wissen und den Fähigkeiten aus diesem Training fühle ich mich nun deutlich besser auf die Herausforderungen von Einsatzfahrten mit Blaulicht und Sirene vorbereitet.

 

 

 

Intensives Training bei der Bereitschaftspolizei: Teil 1

Während meines Studiums an der Hochschule in Oranienburg werden wir vor allem für die Aufgaben bei der Schutzpolizei im Wach- und Wechseldienst sowie der Kriminalpolizei ausgebildet. Doch auch der Bereich der Bereitschaftspolizei (BePo) ist ein wichtiger Bestandteil der Generalistenausbildung. Innerhalb eines zweiwöchigen Trainings hatten wir die Möglichkeit uns intensiv mit dieser Verwendung auseinanderzusetzen und zu lernen, als geschlossene Einheit zu agieren.

Die BePo in Brandenburg

In Brandenburg gibt es insgesamt vier Hundertschaften: in Potsdam, Oranienburg, Cottbus und Frankfurt. Jede dieser Hundertschaften besteht, wie der Name schon verrät, aus etwa 100 Polizeibeamtinnen und -beamten. Sie sind wiederum in je drei Züge unterteilt, die wiederum aus drei Gruppen bestehen. Das gleiche Prinzip wurde auch für meinen Jahrgang im Training angewandt, und wir erhielten einen Gruppenführer – einen ausgebildeten BePo- Polizisten. Sie begleiteten uns während der zwei Wochen und standen uns mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung zur Seite.

Der Trainingsauftakt: Kennenlernen und Teambuilding

Unser Training begann am Montag mit einem „Kennlerntag“, an dem wir als Gruppe verschiedene Stationen durchliefen, die darauf abzielten, den Zusammenhalt zu stärken. Vom Tragen eines Traktorreifens bis hin zu einem Quiz unter Stressbedingungen war alles dabei. Diese Übungen zeigten uns, wie wichtig es ist, als Einheit zusammenzuarbeiten und sich aufeinander verlassen zu können. Am ersten Tag erhielten wir außerdem unsere Ausrüstung für die kommenden zwei Wochen – die sogenannte Körperschutzausrüstung (KSA), auch „Turtle“ genannt. Das Anziehen und Abnehmen der Ausrüstung war zunächst eine Herausforderung. Wir mussten diese am ersten Tag etwa 10 bis 15 Mal an- und wieder ausziehen, wobei die Zeit gemessen wurde. Sobald man selbst fertig war, wurden die Kollegen und Kolleginnen unterstützt. Unsere Zielzeit betrug zwei Minuten und 30 Sekunden – eine Zeit, die wir anfangs nicht ansatzweise erreichten. Doch nach intensiven Übungen schaffte es mein Zug am letzten Tag, die KSA in unter zwei Minuten anzulegen. Es war schön zu sehen, wie schnell wir uns als Team in dieser Disziplin verbesserten.

 

Festnahmetraining mit der BFE

Teil der BePo-Ausbildung ist auch das Festnahmetraining in Zusammenarbeit mit der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE). Hier lernten wir verschiedene Festnahmetechniken, die wir im Unterricht noch nicht behandelt hatten. Wir übten diese Techniken direkt an unseren Teammitgliedern und konnten so an den eigenen Schmerzpunkten lernen, wie effektiv bestimmte Griff- und Haltemethoden sein können, auch ohne dem polizeilichen Gegenüber zu schaden.
Um nah an der Praxis zu bleiben, übten wir auch in simulierten Sitzblockaden. Ein Zug hatte die Aufgabe, diese Blockaden aufzulösen. Besonders spannend und lehrreich waren die Szenarien, in denen wir als Zug „gegen“ den anderen agierten. Diese dynamischen Übungen förderten nicht nur unsere Zusammenarbeit, sondern ermöglichten es uns auch, praktische Erfahrungen zu sammeln.

Intensives Formationstraining zur Begleitung von Demonstrationen

Doch auch Formationen müssen trainiert werden. So lernten wir, Polizeiketten zu bilden und uns innerhalb dieser als Einheit fortzubewegen. Dabei trugen wir unsere vollständige KSA, einschließlich Helm und Schutzschild, was die Übungen teilweise sehr anstrengend machte.

Es zeigte sich schnell, dass diese Form des Trainings sehr wichtig für die spätere Arbeit bei größeren Einsätzen ist, um eine koordinierte und effiziente Reaktion sicherzustellen.

 

Ein weiteres Highlight war die inszenierte Buskontrolle eines echten Linienbusses. Dabei mussten wir uns mit Störern im Bus auseinandersetzen, die von der BFE gespielt wurden. Die Störer machten ihrem Namen alle Ehre, indem sie laut Musik abspielten und Widerstand leisteten. Zuerst forderten wie sie als Polizei auf, freiwillig mitzukommen. Da dies nicht geschah, hieß es „Zwang anwenden“, um die Ordnung wiederherzustellen. All das hatten wir zum Glück geübt und gelernt – mit unseren erlernten Festnahmetechniken bekamen wir die Situation gelöst.

Ein weiterer typischer Einsatz für die BePo ist die Begleitung einer Demonstration – also wurde auch das nachgestellt. Auch hier lernten wir neue Zugriffstechniken und setzten unser Formationstraining in die Praxis um. Trotz des angenehmen Frühlingswetters – es waren nur 16 Grad – war es unter der Ausrüstung mit Helm sehr warm. Ich hatte nun noch größeren Respekt vor den BePo-Polizisten, die solche Einsätze bei Temperaturen von 30 Grad oder mehr durchstehen müssen.

Welche Highlights in der zweiten Trainingswoche auf uns zukamen, lest Ihr in dem nächsten Beitrag. Ich mag nur so viel vorwegnehmen: Uns erwarteten Diensthunde, Wasserwerfer und Pyrotechnik.

 

 

Intensives Training bei der Bereitschaftspolizei: Teil 2

Für alle Auszubildenden und Studierenden stehen am Ende des Studiums zwei Wochen intensives Praxistraining der Bereitschaftspolizei (BePo) an. Im ersten Teil meines Erfahrungsberichtes schreibe ich bereits über die Hintergründe, was die Arbeit der BePo ausmacht und wie unsere erste Woche Training ablief. Richtig praktisch und aufregend wurde es vor allem in Woche zwei auf unserem Trainingsgelände. Dies lernten wir bereits vorab kennen.

Besondere Herausforderungen in Lehnitz

Am Freitag der ersten Woche stand ein besonderer Tag an: Wir liefen in kompletter Ausrüstung gemeinsam erstmals nach Lehnitz, wo uns ein großes Trainingsgelände erwartete. Dort waren mehrere Stationen aufgebaut. Zunächst wurde uns der Wasserwerfer und der Sonderwagen vorgestellt. Wir konnten die verschiedenen Wasserstrahlen sehen und uns mit der Technik vertraut machen.

 

Der Trainingsauftakt: Kennenlernen und Teambuilding

Mein persönliches Highlight war die Häuserräumung, welche zu Beginn von Woche zwei auf dem Programm stand. Zunächst übten wir ohne Störer, um
das Vorgehen zu verstehen. Später kamen Störer hinzu, die leichten und danach starken Widerstand leisteten. Es war beeindruckend zu erleben, wie dynamisch und herausfordernd solche Einsätze tatsächlich sind, besonders als plötzlich das Licht ausging und wir mit Taschenlampen arbeiten mussten.

Am Dienstag joggten wir, zum Glück ohne unsere schwere Körperschutzausrüstung, nach Lehnitz, um dort neue praktische Erfahrungen zu sammeln. Der Tag begann mit der Vorstellung des Diensthundeführers und seines treuen Begleiters, dem Diensthund. Wir erhielten einen Einblick in die beeindruckende Arbeit, die die Hunde und ihre Führer leisten, und konnten einige der Fähigkeiten der Hunde live in Aktion sehen.

 

Die Mittagspause verbrachten wir jeden Tag in Lehnitz, wo die ganze Woche ein Grill wurde für uns aufgestellt wurde. So konnten wir uns jeden Tag mit Pommes, Bratwurst oder Boulette stärken. Dazu gab es eine gute Auswahl an Getränken

Am Nachmittag ging es dann weiter mit praktischen Übungen im Wald. Wir übten das Absuchen von Gebieten nach Beweismitteln und das gezielte Suchen nach Personen. In unterschiedlichen Szenarien mussten wir verschiedene Aufgaben bewältigen: Wir suchten nach einer hilflosen, dementen Person, einem Menschen in Lebensgefahr und mussten fingierte geflüchtete Straftäter aufspüren und ansprechen.

Der Höhepunkt: Die Abschlussübung

Der Mittwoch war schließlich der Höhepunkt des Trainings. In einer großen Abschlussübung wurden die Züge 1 und 2 gegen die Züge 3 und 4 sowie die BFE als Störer eingesetzt. Das Szenario war eine Besetzung des Übungsgeländes durch eine aktivistische Gruppe. Wir begannen mit einer Buskontrolle und der Auflösung einer Sitzblockade. Im Anschluss bildeten wir eine Polizeikette und trieben die Störer zurück. Es wurden mehrere „Festnahmen“ durchgeführt, und auch der Wasserwerfer, der Sonderwagen sowie Diensthunde kamen zum Einsatz. Zum Schluss räumten wir ein Gebäude, welches vom Rauch der verwendeten Pyrotechnik der Störer zugequalmt war, weshalb wir wieder unter schlechter Sicht arbeiten mussten.

 

 

In diesen drei Stunden ist so viel passiert, das lässt sich gar nicht in Worten beschreiben. Vielleicht helfen hierbei die beigefügten Bilder. Die Übung war ein großartiger Abschluss für die intensiven Trainingswochen und zeigte uns, wie viel wir in den letzten Tagen gelernt hatten.

Am Donnerstag stand die Abschlussübung von Zug 3 und 4 auf dem Programm. Hier spielten wir die Rolle der Störer, was uns viel Spaß machte. Abends gab es noch eine Abschlussparty in Oranienburg, bei der wir die Zeit miteinander ausklingen ließen. Der Freitag war dementsprechend ein ruhigerer Tag mit einer Feedbackrunde und der Rückgabe der Ausrüstung.

Fazit: Ein unvergessliches Erlebnis

Die zwei Wochen bei der BePo waren körperlich äußerst herausfordernd aber auch unglaublich lehrreich und spannend. Wir haben viel Neues gelernt und einen realistischen Einblick in ihre Arbeit erhalten. Ich bin jeden Morgen gerne aufgestanden und habe mich auf den anstehenden Tag gefreut. Für mich persönlich hat sich gezeigt, dass der Bereich der BePo durchaus reizvoll ist, aber mein Fokus weiterhin auf dem Wach- und Wechseldienst liegt. Doch das Praktikum, das immer näher rückt, wird sicherlich darüber entscheiden, in welche Richtung ich mich weiterentwickeln werde.

Die Erfahrung in diesen zwei Wochen hat mir definitiv geholfen, ein besseres Verständnis für den Polizeialltag zu bekommen und die Bedeutung von Teamarbeit und Koordination in stressigen Einsätzen zu schätzen. Es war eine intensive, aber auch sehr wertvolle Zeit!

 

 

 

Sechs Monate Praxis – mein Praktikum zwischen Streife, Kripo und Hospitation

Sechs Monate Praktikum liegen hinter mir und rückblickend fühlt es sich fast surreal an, wie viel in dieser Zeit passiert ist. Vom ersten Streifendienst im Sommer bis zur letzten Hospitation im Dezember habe ich Einblicke bekommen, die man weder im Hörsaal noch aus Lehrbüchern gewinnen kann. 

Während unseres Studiums an der Hochschule absolvieren wir ein sechsmonatiges Praktikum, das sich in drei Monate Wach- und Wechseldienst sowie drei Monate Kriminalpolizei gliedert. Zusätzlich besteht freiwillig die Möglichkeit, am Ende des Praktikums eine zweiwöchige Hospitation zu absolvieren. Eine Möglichkeit, die ich gerne genutzt habe.

Mein Praktikum habe ich in Bernau absolviert. Durch etwas Glück startete ich mit dem Wach- und Wechseldienst im Sommer und wechselte im Winter zur Kriminalpolizei. 

Wach- und Wechseldienst: Angekommen im echten Dienstalltag

Der Einstieg in den Wach- und Wechseldienst war mit viel Aufregung verbunden. Man wird ziemlich direkt ins kalte Wasser geworfen, aber genau das macht es auch so lehrreich. Vor allem in rechtlicher Hinsicht habe ich schnell gemerkt, wie gut wir durch das Studium vorbereitet sind. Natürlich kann man praktische Abläufe nicht vollständig im Hörsaal lernen, aber vieles ergibt sich schnell im Dienstalltag.

Während meines Praktikums wurde ich von zwei erfahrenen Beamten begleitet, die mir über die gesamte Zeit hinweg als Ansprechpartner zur Seite standen. 

Besonders spannend fand ich ein Thema, mit dem ich vorher kaum Berührungspunkte hatte. Einer meiner Betreuer war in diesem Bereich speziell geschult worden und hat mir einen ganz neuen Blick auf dieses Themenfeld eröffnet: das Thema Fahrtüchtigkeit – und dabei geht es längst nicht nur um Alkohol oder Drogen, wie ich zu Beginn gedacht habe. Solche Einblicke zeigen einem, wie vielfältig die Polizei eigentlich ist und wie viele Entwicklungsmöglichkeiten es gibt, an die man vorher gar nicht gedacht hätte.

Der Dienstalltag im Wach- und Wechseldienst war extrem abwechslungsreich. Kein Tag war wie der andere. Von Ruhestörungen über häusliche Gewalt, Körperverletzungsdelikte, Durchsetzung von Haftbefehlen, reichlich Verkehrsunfälle bis hin zu nächtlichen Verkehrskontrollen mit dem Fokus auf Fahrtüchtigkeit. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir mehrere Einbruchsdiebstähle, unter anderem in Tankstellen und Spielhallen. Die Anfahrten zu solchen Einsätzen waren jedes Mal extrem adrenalinhaltig. Man weiß nicht, was einen vor Ort erwartet. Ist der Täter noch vor Ort, sind es vielleicht mehrere oder sind sie sogar bewaffnet. Genau diese Unsicherheit lässt den Puls steigen. Trotz dieser Anspannung machten mir solche Einsatzfahrten immer besonders Spaß.

Eine Situation, die mich besonders geprägt hat, war ein Verkehrsunfall mit einem tödlich verletzten Fahrradfahrer, bei dem wir vor Ort über eine Stunde hinweg vergeblich versucht haben, ihn zu reanimieren. Meine erste Begegnung mit einer verstorbenen Person im Dienst. Umso beeindruckender war der Umgang der Kolleginnen und Kollegen damit. Ich wurde mehrfach gefragt, ob es mir gut geht und ob ich Unterstützung brauche. Diese gegenseitige Fürsorge hat mir gezeigt, wie wichtig Zusammenhalt in diesem Beruf ist.

Kriminalpolizei: Dort arbeiten, wo der Streifendienst aufhört

Nach den drei Monaten auf der Straße wechselte ich zur Kriminalpolizei in Bernau. Dort war ich im Sachgebiet „Leben und Gesundheit“ eingesetzt und habe überwiegend Jugendkriminalität bearbeitet, teilweise sogar von mir selbst im Streifendienst aufgenommene Anzeigen. Ich hatte großes Glück mit meiner Betreuerin und dem gesamten Team.

Besonders spannend fand ich die Vernehmungen von jugendlichen Beschuldigten und Zeugen. Gerade bei Jugendlichen merkt man, dass Worte noch etwas bewirken können. Viele befinden sich in einer Phase des Ausprobierens und zeigen im Gespräch echte Einsicht. Im Vergleich zu Erwachsenen ist hier mit einem Gespräch oft noch viel zu erreichen.

Die Arbeit bei der Kripo ist jedoch auch stark von Bürokratie geprägt. Gerade in den Wintermonaten war das durchaus angenehm, auf Dauer wäre mir die Arbeit im Büro jedoch vermutlich zu wenig bewegungsintensiv. Mein Respekt vor den Kolleginnen und Kollegen ist enorm. Insbesondere angesichts der stetig wachsenden Anzahl an Anzeigen, unter anderem durch die Online-Wache, ist immer reichlich zu tun. 

Gleichzeitig habe ich enorm viel für meine zukünftige Arbeit mitgenommen. Erst bei der Kripo wird einem wirklich bewusst, was aus einer Anzeige wird, die man draußen aufnimmt. Ich habe gelernt, worauf es ankommt und was man im Wach- und Wechseldienst vielleicht hätte besser oder ausführlicher dokumentieren können. Eine Erfahrung, die mir später auf der Straße definitiv zugutekommen wird.

Zweiwöchige Hospitation: Einblicke, die nicht jeder bekommt

Zum Abschluss meines Praktikums habe ich die freiwillige Hospitation genutzt. Zunächst war ich eine Woche bei der Mordkommission im Landeskriminalamt in Eberswalde, die sich dort mit sogenannten Altfällen beschäftigt. Über konkrete Inhalte kann ich natürlich nicht viel berichten, aber der Einblick in die technische Herangehensweise und die Fallanalysen war unglaublich spannend. Im zweiten Block meiner Hospitation war ich beim Staatsschutz eingesetzt. Hier konnte ich unter anderem an einer Wohnungsdurchsuchung gemeinsam mit der Bereitschaftspolizei teilnehmen. 

Zusätzlich hatte ich die Möglichkeit, weitere Bereiche des Landeskriminalamtes kennenzulernen und diese Eindrücke auch medial festhalten zu können. Ich habe dort einen kurzen Vlog gedreht, der zumindest ein paar meiner Eindrücke widerspiegelt. 

                               

 

Mit vielen Eindrücken zurück zur Theorie

Insgesamt war das Praktikum für mich extrem lehrreich, herausfordernd und persönlichkeitsprägend. Ich habe fachlich unglaublich viel gelernt, aber auch menschlich sehr von dieser Zeit profitiert.

Jetzt bin ich wieder zurück an der Hochschule. Vielen fällt der Wiedereinstieg in die Theorie nach dem Praktikum schwer und das kann ich absolut nachvollziehen. Gleichzeitig freue ich mich aber auch auf die verbleibende Zeit: meinen Kurs wiederzusehen, das Studium abzuschließen und die letzten Inhalte mitzunehmen. Uns fehlen noch ein paar wichtige Themen wie Waffenrecht und Versammlungsrecht, dazu kommen die Bachelorarbeit, Wahlpflicht- und Vertiefungsmodule sowie einige Prüfungen.

Im Herbst endet dann das Studium und für mich geht es erstmal ganz klar zurück auf die Straße. Darauf freue ich mich sehr. Aber genauso weiß ich die Zeit an der Hochschule jetzt noch einmal besonders zu schätzen.

 

Seit dem Winter bin ich aus meinem Praktikum zurück an der Hochschule und damit inzwischen mitten im letzten Abschnitt meines Polizeistudiums.
Langweilig wurde es seit meiner Rückkehr jedenfalls nicht. Neben den letzten regulären Lehrveranstaltungen standen noch einige Prüfungen und praktische Leistungsnachweise an. Außerdem habe ich meine Bachelorarbeit geschrieben und inzwischen auch abgegeben.
Langsam merkt man, dass sich das Studium tatsächlich dem Ende nähert. Und bevor es im Herbst endgültig geschafft ist, standen noch einige besondere Inhalte auf dem Programm. Einer davon war unser Wahlpflichtmodul.
Hier hatten wir noch einmal die Möglichkeit, einen eigenen Schwerpunkt zu setzen. Dafür konnten wir aus verschiedenen Modulen eines auswählen, das uns besonders interessiert. Welche Module angeboten werden, unterscheidet sich dabei von Einstellungsjahrgang zu Einstellungsjahrgang. Das hängt unter anderem von der Jahreszeit und den jeweiligen organisatorischen Möglichkeiten ab. So kann beispielsweise das Wahlpflichtmodul zum Kennenlernen der Wasserschutzpolizei nur in den Sommermonaten angeboten werden.

Gar nicht so leicht, sich zu entscheiden

Zur Wahl standen meinem Jahrgang die Module

- Verkehrsrecht/Verkehrslehre
- Polizei in Europa
- Wie resilient ist die Demokratie?
- Kennenlernen der Wasserschutzpolizei
- Polizei in internationalen Einsätzen
- Sprachtraining Polnisch
- Einsatz von Spezialeinheiten in der kriminalpolizeilichen Ermittlungsarbeit.

Ich habe mich letztendlich für Verkehrsrecht/Verkehrslehre entschieden. Vor allem der rechtliche Teil hatte mich bereits während des Studiums sehr interessiert. Gleichzeitig lag der entsprechende Unterricht zu diesem Zeitpunkt schon eine ganze Weile zurück, sodass das Modul eine gute Gelegenheit war, vorhandenes Wissen wieder aufzufrischen. Trotzdem fiel mir die Entscheidung nicht ganz leicht, denn auch das Modul der Wasserschutzpolizei fand ich sehr ansprechend.

Über die anderen Wahlpflichtmodule kann ich natürlich nicht so ausführlich berichten, da ich sie nicht selbst besucht habe. Durch Freunde und Kommilitonen habe ich aber zumindest einige Eindrücke mitbekommen. Gerade die Module mit Auslandsaufenthalten klangen wirklich besonders.

Zwei enge Freundinnen aus meinem Kurs entschieden sich beispielsweise für das Modul „Polizei in internationalen Einsätzen“ und verbrachten zwei Wochen in Litauen. Nach ihren Erzählungen war diese Zeit für sie eine unvergessliche Erfahrung. Unter anderem begleiteten sie litauische Polizistinnen und Polizisten im Streifendienst und bekamen zahlreiche Einblicke in deren Arbeitsweise und den Polizeialltag vor Ort.

Auch einige der anderen Wahlpflichtmodule waren mit Reisen verbunden. Der Kurs der Wasserschutzpolizei verbrachte beispielsweise zwei Tage in Hamburg und erhielt dort Einblicke in die Ausbildung und Arbeit der Wasserschutzpolizei. Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Moduls „Polizei in Europa“ waren unter anderem in Straßburg und das Sprachtraining Polnisch beinhaltete einen einwöchigen Aufenthalt in Polen.

Die Wahlpflichtmodule boten damit Möglichkeiten, die weit über den normalen Studienalltag hinausgingen.

Aber zurück zum Verkehr

Mein Wahlpflichtmodul lief folgendermaßen ab: In der Regel beschäftigten wir uns zunächst einen Tag lang theoretisch mit einem bestimmten Themengebiet und hatten anschließend einen Praxistag, an dem wir das Gelernte anwenden und vertiefen konnten.

Einer dieser Praxistage fand gemeinsam mit der Sonderüberwachungsgruppe (SüGru) statt. Dafür bauten wir eine Kontrollstelle auf einer Autobahnraststätte auf und führten dort Verkehrskontrollen durch. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Kleintransportern.

Schon das Herauswinken der Fahrzeuge auf der Autobahn war eine Erfahrung für sich. Wenn nur wenige Meter neben einem die 40-Tonner vorbeifahren, ist das zunächst durchaus etwas unheimlich. Gleichzeitig hat es aber auch Spaß gemacht und war definitiv etwas anderes als eine gewöhnliche Pkw-Kontrolle.

Ein weiterer Praxistag führte uns zur Polizeiinspektion Oberhavel nach Oranienburg. Dieses Mal lag der Schwerpunkt auf dem Thema Drogen im Straßenverkehr. Gemeinsam mit einem Streifenpartner konnten wir selbstständig Verkehrskontrollen durchführen und dabei gezielt auf Anzeichen für einen möglichen Drogenkonsum achten. Bei einer unserer Kontrollen fiel ein Verkehrsteilnehmer entsprechend auf. Ein durchgeführter Drogenschnelltest reagierte positiv auf Cannabis und der Betroffene gab zudem an, konsumiert zu haben. Daraufhin begleiteten wir ihn zur Blutentnahme.

Und dann kamen die Motorräder …

Besonders interessant war für mich auch ein Praxistag mit der Verkehrsüberwachung zum Schwerpunkt Zweiräder. An diesem Tag kontrollierten wir alles, was zwei Räder hat.

Im Gegensatz zum Thema Drogen im Straßenverkehr hatte ich von diesem Bereich vorher vergleichsweise wenig Ahnung. Natürlich bedeutete fehlendes Vorwissen nicht, dass ich mich bei den Kontrollen zurückhalten konnte. Also wurden im Laufe des Tages selbstverständlich auch von mir Motorräder kontrolliert.

Dabei war jedoch immer jemand mit entsprechender Fachkenntnis an meiner Seite. Wenn Fragen aufkamen oder ich bei bestimmten technischen Besonderheiten unsicher war, konnte ich jederzeit nachfragen.

Verkehrsunfälle einmal anders betrachtet

Neben den klassischen Verkehrskontrollen beschäftigten wir uns noch mit weiteren Themen. So waren wir beispielsweise bei der Bundespolizei zu Besuch und erhielten dort Einblicke in die Verkehrsunfallaufnahme im Bereich von Bahnanlagen.

Zwischendurch standen immer wieder Theorietage auf dem Programm. Dabei wiederholten wir einerseits klassische Inhalte aus dem Verkehrsrecht, lernten andererseits aber auch neue Themen kennen. Wir beschäftigten uns gemeinsam mit der DEKRA mit dem Thema digitale Unfallspuren. Moderne Fahrzeuge speichern mittlerweile eine Vielzahl an Daten, die bei der Rekonstruktion eines Verkehrsunfalls eine wichtige Rolle spielen können.

Zum Abschluss des Wahlpflichtmoduls stand schließlich noch eine mündliche Prüfung an.

Was vom Wahlpflichtmodul bleibt

Rückblickend war das Wahlpflichtmodul Verkehrsrecht/Verkehrslehre für mich eine gute Mischung aus Wiederholung, Vertiefung und komplett neuen Inhalten. Gerade die für mich neuen Themen haben mir wieder einmal gezeigt, wie umfangreich der Bereich Verkehr eigentlich ist und wie viele Spezialgebiete es bei der Polizei gibt, die im normalen Studium gar nicht alle ausführlich behandelt werden können.

Natürlich waren auch die anderen Wahlpflichtmodule spannend. Insbesondere für diejenigen, die im Rahmen ihres Moduls ins Ausland reisen konnten, war die Zeit sicherlich noch einmal auf eine ganz andere Art prägend. Auch wenn ich zwischendurch ein kleines bisschen neidisch auf die Erzählungen aus Litauen, Polen oder Straßburg war, bin ich mit meiner Wahl trotzdem sehr zufrieden.