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Polizeiliche Bildung auf europäischem Spitzenniveau (Polen)
Internationale Kooperation, beeindruckende Kapazitäten und moderne Lehrstrukturen: Im Rahmen des Erasmus+ Programms hospitierte ich vom 28. September bis 2. Oktober 2026 an der Akademie der Polizei in Szczytno. Ziel dieses einwöchigen Aufenthalts war ein tiefgründiger Einblick in die Ausbildungsstrukturen unserer polnischen Kolleginnen und Kollegen.
Die Polizeiakademie in Szczytno ist das zentrale Fundament der polizeilichen Bildung in Polen.Mit Beginn des neuen akademischen Jahres am 01. Oktober 2026 verzeichnet die spezialisierte staatliche Hochschule insgesamt 2.500 Studierende. Allein auf das erste Studienjahr der Bachelor- und Masterstudiengänge entfallen dabei 955 Studierende, während weitere 241 Personen ein Postgraduiertenstudium absolvieren (zum Beispiel in den Bereichen Cybercrime – Ermittlungen, Wirtschaftskriminalität, Kriminologie oder Führungskompetenzen für den Aufstieg in den höheren Dienst). Wissenschaftlich verfügt die Institution über die berechtigte „B+“-Klassifizierung und somit über das Recht, Habilitationen durchzuführen und Professuren zu verleihen. Trotz des hohen Lehrbetriebs zeichnet sich der Alltag auf dem Campus durch eine disziplinierte, aber zeitgleich kollegiale und konstruktive Atmosphäre aus.
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Praxisnahe Didaktik und spontanes „Teamteaching"
Ich durfte am zweiten und dritten Tag bei den Unterrichtseinheiten der polnischen Kollegen dabei sein. Die Lehre folgt einem klaren Ablauf: Auf die theoretische Erarbeitung der Inhalte folgt am nächsten Tag die unmittelbare praktische Anwendung. Da es sich bei den vermittelten Inhalten um exakt die gleichen handelt, die ich in Deutschland unterrichte (Alkoholbestimmung und Unfallaufnahme), hatte ich auch keinerlei Schwierigkeiten zu folgen. Ich konnte bei dem einen Unterricht zur Atemalkoholbestimmung sogar unterstützend tätig werden. Der polnische Kollege bat mich, vor der Klasse die Alkoholgrenzen in Deutschland und die damit verbundenen Folgemaßnahmen zu erläutern. Das tat ich dann auch, allerdings auf Englisch. Im direkten Vergleich der gesetzlichen Grundlagen wurden die Unterschiede schnell deutlich – wie etwa der sofortige Führerscheinentzug ab 0,2 Promille im polnischen Verkehrsrecht. Die Studierenden zeigten großes Interesse an der deutschen Rechtslage und brachten zahlreiche Fachfragen ein, die wir abseits der Prüfungsrelevanz intensiv diskutieren konnten.
Ein interessantes Detail für die Praxis: Die Dokumentation und Protokollführung werden im Unterricht bewusst handschriftlich trainiert, um Fehlerquellen bei späteren Einsätzen zu minimieren.
Moderne Simulation und Kriminaltechnik
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Ein Kernpunkt der Hospitation war die Vorstellung des Polizeilichen Krisensimulators. Dieses System bildet eine komplette Leitstelle originalgetreu ab. Es dient dazu, Führungskräfte in der Bewältigung komplexer Großlagen unter realistischen Bedingungen zu schulen. Selbst die englische Polizei hatte hier schon für Einsatzlagen im Zusammenhang mit der Queen trainiert. Ebenso zukunftsorientiert präsentiert sich das Kriminalistische Institut: Im hauseigenen Drogen-Showroom wird die Sicherung von Betäubungsmitteln praxisnah an echten, beschlagnahmten Substanzen geübt. In Kombination mit einer hervorragend aufgestellten digitalen Forensik zur Auswertung mobiler Endgeräte wird deutlich, wie konsequent die Akademie auf aktuelle Kriminalitätsphänomene vorbereitet.
Feierliche Eröffnung des akademischen Jahres 2026/2027
Den Höhepunkt der Woche bildete am Donnerstag, dem 1. Oktober, die feierliche Inauguration des neuen akademischen Jahres in der Aula der Akademie. Zu den Gästen zählten hochrangige Persönlichkeiten aus sämtlichen Sicherheits- und Verwaltungsbehörden des Landes.
Im Rahmen dieser feierlichen Zeremonie leistete ein kleiner, ausgewählter Teil neuer Studierender stellvertretend ihre Diensteide. Die internationale Tragweite der akademischen Arbeit wurde auch durch das aktuelle Erasmus+ Projekt der Akademie der Polizei in Szczytno unterstrichen, in das insgesamt 159 Studierende und Lehrkräfte involviert sind.
Abgerundet wurde die Festlichkeit durch einen Vortrag der renommierten Gastprofessorin Dr. Maria Haberfeld von der City University of New York zum Thema der polizeilichen Berufsethik.
Dank an die Organisation
Ein solch reibungsloser und inhaltlich dichter Austausch erfordert eine exzellente Vorbereitung. Mein ausdrücklicher Dank gilt an der Stelle sowohl der Erasmus+ Koordinatorin der HPol BB, Tanja Meyer, als auch allen anderen deutschen und polnischen Organisatoren, die diese Hospitation im Hintergrund koordiniert haben und mir so diesen wertvollen fachlichen Blick über die Grenze hinaus ermöglicht haben.
Durch diese Teilnahme an dem Projekt Erasmus+ konnte ich nicht nur „über den Tellerrand“ schauen, sondern auf Grund der Offenheit der polnischen Kollegen auch den Grundstein für ein neu entstehendes Netzwerk legen.
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