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Hospitation in der Landesvertretung Brandenburgs bei der EU
Am Donnerstag, 11. September 2025, ging es mittags mit dem Flieger vom BER ab ins Herz der EU nach Brüssel. Voller Aufregung und positiver Angespanntheit sah ich den kommenden vier Monaten meiner Tätigkeit im Bereich Justiz und Inneres (JI)in der Landesvertretung des Landes Brandenburg bei der EU entgegen. Kaum angekommen, ging die Arbeit spannend und intensiv los, da bereits Ende September das brandenburgische Kabinett zu einer auswärtigen Kabinettssitzung (AKS) in Brüssel zusammenkommen wollte. Die Themen, bei deren Ausarbeitung in Vorbereitung der AKS ich gleich aktiv mitarbeitete, waren anfangs fast überwältigend vielfältig – zum Beispiel Migration, gemeinsames europäisches Asylsystem (GEAS), Digital Service Act (DSA), Sexual Child Abuse (CSA) oder Democracy Shield. Ein bisschen Einarbeitungszeit brauchte es schon, aber durch die tägliche Arbeit, zum Beispiel mit Pressemitteilungen oder dem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen anderer Landesvertretungen, war es gut möglich, sich zügig in die Themenfelder einzufuchsen.

Einblicke in die europäische Entscheidungsfindung
Für mich persönlich war die Teilnahme an den Gesprächsterminen des damaligen Innenministers in kleinen Runden im Rahmen der AKS mit u.a. einem Mitglied des europäischen Parlaments besonders aufschlussreich. Ebenso zählte meine Teilnahme an Ausschusssitzungen im europäischen Parlament für mich zu den besonders spannenden und wissensbereichernden Momenten, die eine ganz andere Dimension an Einblicken in die politische Abstimmung und Entscheidungsfindung erlaubten. Dazu zählten auch die Debriefings durch die Ständige Vertretung (quasi Auswärtiges Amt) oder den deutschen Botschafter bei der EU zu Sitzungen des JI-Rates und des Europäischen Rats.
Netzwerken in der „Brüsseler Bubble“
Ein besonderes Highlight für mich im Brüsseler Geschäft (oder auch der Brüsseler Bubble, wie es hier öfter heißt) bleiben, neben den tiefgründigen Blicken hinter die Kulissen, auch die vielen, informativen und kulinarisch gut aufgestellten (Abend-) Veranstaltungen. Für mich waren diese Events von anderen Landesvertretungen, Institutionen oder Stiftungen immer eine wunderbare Gelegenheit, mit sehr spannenden Persönlichkeiten zu deren Aufgabengebieten ins Gespräch zu kommen, Kontakte zu knüpfen und Hintergrundwissen zu erhalten. Auch diese Veranstaltungen wiesen thematisch umfassende Facetten auf, wie beispielsweise der Empfang des Botschafters bei der EU anlässlich des Tages der Deutschen Einheit, die 25. Brüsseler Mediengespräche, wo unter anderem die Präsidentin von arte zu Gast in der Paneldiskussion war, eine Festveranstaltung zu 40 Jahre Schengen, ein Parlamentarischer Abend in einem ehemaligen Theater, die Verleihung des Bremen Solidarity Award, Oktoberfest-Abende, Filmabende und anschließender Austausch mit den Filmemachern, Panel-Diskussionen mit Friedensforschungsinstituten, Podiumsdiskussionen mit Mitgliedern der Kommission und des Parlaments zu Rechtstaatlichkeit oder der Berlin-Brandenburg Stammtisch.



Brüsseler Lebensart und kulinarische Entdeckungen
Den belgischen Lifestyle habe ich insgesamt als wirklich sehr angenehmen und gesellig wahrgenommen – von den Marionettenpuppen-Bierstuben bis zu den geöffneten Austern to go auf den Sonntagsmärkten. Nicht zu vergessen natürlich die ganzen anderen kulinarischen Highlights wie Waffeln, Trappistenbiere, Gueuze, renommierte Chocolatiers, Moules Frites, Vol au Vent, Carbonnade und die Fritten (das Geheimnis liegt wohl im doppelten Frittieren in Rinderfett). Von Vertretern, die bereits seit geraumer Zeit vor Ort in Brüssel sind, habe ich ab und an mal den Satz „Und, wie viele Kilo bist du schon in Brüssel?“ gehört. Nun, verdenken kann man es niemandem, bei den Verlockungen, die hier an jeder Ecke lauern. Aber zugleich habe ich die Brüsseler als unglaublich sportaffine Menschen kennengelernt. Die Hospitantenwohnung befindet sich in hervorragender Lage direkt am Parc du Cinquentenaire, und egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, gelaufen und gejoggt wurde hier immer. Ein weiterer toller Aspekt an Brüssel ist die hervorragende und am Wochenende stets rabattierte Zugverbindung in sehr viele sehenswerte Städte Belgiens – und davon gibt es wahrlich einige. Aber auch Ausflüge nach Frankreich und Luxemburg sind einfach zu organisieren.
Adventszeit und Winterstimmung in Brüssel
Die Adventszeit hat Brüssel dann nochmal in ein besonders festliches Gewand gehüllt. Länger als die meisten Weihnachtsmärkte fanden bis Neujahr die Plaisirs d’hiver (Freuden des Winters) verteilt über die Stadt mit einem rauschenden Programm aus Farben, Paraden, Eislauf, Musik und Köstlichkeiten statt. Kaum zu glauben, dass die tägliche belgische Küche an sich noch getoppt werden konnte. Die festlich dekorierten Läden und Chocolaterien verbreiteten ihrerseits eine traumhafte Adventsstimmung. Wie von selbst haben sich dann etliche selbst zusammengesellte Pralinenschachteln renommierter Manufakturen (die Qual der Wahl!) mit im Koffer auf dem Heimweg in den Weihnachtsurlaub wiedergefunden. Im neuen Jahr hat das Brüsseler Geschäft dann erst allmählich wieder an Fahrt aufgenommen.
Insgesamt werde ich die vier Monate als eine sehr lehrreiche und bereichernde Zeit in Erinnerung behalten, die nachhaltig verdeutlicht hat, wie komplex und vielschichtig die Gestaltung der Politik auf EU-Ebene ist.



